Pancho
03.12.2007, 18:05
Kastration – Pro & Contra
Kaum eine andere medizinische Maßnahme löst bei Tierbesitzern und Tierärzten so widersprüchliche und emotionale Reaktionen aus wie die Kastration des Hundes. Dieser Beitrag soll – nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen (medizinischer und verhaltenstherapeutischer Natur) – die Vorteile und Nachteile eines solchen Eingriffes gegenüberstellen.
Begriffsbestimmung:
Kastration: Bei einer Kastration werden die Keimdrüsen (Eierstock, Hoden) und eventuell auch die Gebärmutter operativ entfernt. Durch diesen Eingriff wird die Produktion von Geschlechtshormonen verhindert und damit das Sexualverhalten komplett unterbunden. Die Hündin ist zeitlebens sexuell ruhig gestellt. Die Läufigkeiten mit all ihren Unannehmlichkeiten wie Attraktivität für Rüden und blutiger Scheidenausfluß fallen damit weg.
Eine Kastration ist nicht mehr rückgängig zu machen (irreversibel).
Sterilisation: Im Gegensatz zur Kastration werden bei der Sterilisation die Keimdrüsen belassen und nur die Keimwege (Samenleiter, Eileiter) unterbunden. Damit wird die Möglichkeit der Fortpflanzung ausgeschaltet. Die Produktion von Geschlechtshormonen und damit auch das Sexualverhalten bleiben in vollem Umfang erhalten. Eine Sterilisation kann unter bestimmten Umständen rückgängig gemacht werden (reversibel).
In der Veterinärmedizin werden fast ausschließlich Kastrationen durchgeführt, da hierdurch auch das Fortpflanzungsverhalten positiv beeinflusst werden kann, und da bei der Sterilisation besonders bei der Hündin vermehrte Komplikationen auftreten.
Gesetzliche Grundlage:
Nach § 6 Tierschutzgesetz Abs. 1 Satz 1:
Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres.
§ 6 Tierschutzgesetz Abs. 1 Satz 2:
Das Verbot gilt nicht, ...
a) beim Vorliegen einer tierärztlichen Indikation im Einzelfall
hierzu zählen unter anderem: Schutz vor Brustkrebs bei jungen Hündinnen
Kryptorchismus bei Rüden
psychischer Streß und körperl. Belastung ehem. Zuchthündinnen
Auftreten von Scheinträchtigkeiten
Probleme an Gebärmutter bzw. Hoden oder Prostata
b) für die Entnahme von Gewebe für Transplantationen (tierexperimentelle Forschung)
c) bei jagdlich zu führenden Hunden im Einzelfall (Kupieren der Rute)
d) für das Unfruchtbarmachen (Kastration oder Sterilisation)
- zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung (hierzu zählen: Freigänger-Katzen
oder Hundegruppen, bei denen Rüden und Hündinnen gemeinsam gehalten werden)
- zur weiteren Nutzung oder Haltung (hierzu zählen unter anderem: männliche Pferde
(Unterdrückung des Hengstverhaltens), männliche Schweine (Verhinderung des
Ebergeruchs am Fleisch), Hunde (Unterbindung von Streunen, Markieren im Haus...))
- aufgrund behördlicher Anordnung (Qualzuchtproblematik)
Wie erfolgt die Operation bei der Hündin?
Die Operation erfolgt unter Vollnarkose. Bei der Hündin werden durch einen Bauchschnitt beide Eierstöcke und evtl. die Gebärmutter entfernt. Werden nur die Eierstöcke entfernt spricht man von der Ovarioektomie (OE), bei der Entfernung von Eierstöcken inklusive der gesamten Gebärmutter von der Ovariohysterektomie (OHE).
Wie erfolgt die Operation beim Rüden?
Die Operation erfolgt unter Vollnarkose. Unter der Kastration versteht man die operative Entfernung beider Hoden. Sie werden durch einen kleinen Hautschnitt vor dem Hodensack entfernt.
Die Entfernung der Hoden wird bei Rüden zur Ausschaltung des Reproduktionsvermögens, der Modifikation charakteristischer dominanter Verhaltensweisen oder aus medizinischen Gründen vorgenommen. Mit dem Eingriff werden die endokrinen Quellen der androgenen Hormone beseitigt, die Mediatoren von Krankheiten wie der benignen Prostatahypertrophie, Perinealhernie und perinealen Adenomen sein können. Bei Verlegungen der Urethra ist die Kastration zum Anlegen einer permanenten Urethostomie im Skrotalbereich indiziert.
Die Kastration des Rüden wird häufig als kleiner Routineeingriff betrachtet, dennoch sind die Komplikationsraten im postoperativen Verlauf sehr hoch und Gegenstand langer und kostenintensiver Nachbehandlungen. In den meisten Fällen treten die Wundheilungsstörungen in Form von Seromen und Abszessen im Cavum vaginale oder als entzündliche Schwellungen des Skrotums auf. Das Zurücklassen von Wundhöhlen nach Herausnehmen der Hoden widerspricht den Regeln der allgemeinen Chirurgie, jedoch ist es gängige Praxis.
Wichtig ist der Leinenzwang bis zur Entfernung der Fäden, da sich das OP-Gebiet zwischen den Hinterschenkeln befindet und damit bei jedem Schritt belastet wird. Eine gewisse Schwellung in diesem Bereich ist normal, durch zu viel Bewegung kann es aber zu erheblichen Schwellungen und Schmerzen kommen.
Welche Gründe gibt es für einen solchen Eingriff?
Hündin:
Aus Sicht des Hundebesitzers:
§ Verhinderung von Läufigkeit und unerwünschter Trächtigkeiten
§ Erleichterung der Haltung
Medizinische Gründe:
§ Veränderungen an Gebärmutter und Eierstöcken oder Tumoren in der Scheide
§ Zuckerkrankheit (Diabetes)
§ Vorfall der Scheidenschleimhaut
§ hochgradige Scheinträchtigkeiten
§ Gebärmutterentzündungen nach der Läufigkeit
§ Zyklusstörungen mit Hautveränderungen
§ bei zyklusabhängigen Gesäugetumoren
Rüde:
Aus Sicht des Hundebesitzers:
§ Verhinderung von unerwünschten geschlechtsgebundenen Verhaltensweisen
v übersteigertes Triebverhalten (Streunen, Leiden in Gegenwart läufiger Hündinnen)
v sexualhormonbedingte Aggressivität (bei allen anderen Formen von Aggressivität ist eine Kastration nicht erfolgreich!)
§ Wunsch nach Unfruchtbarmachung (meist wenn männliche und weibliche Tiere in einem Haushalt leben)
§ Präputialkatarrh (weißlich, schleimiger Ausfluß aus der Vorhaut bei intakten Rüden; völlig normales Phänomen. Es bestehen große individuelle Unterschiede hinsichtlich Menge der abgesonderten Flüssigkeit. Eine übermäßige Produktion stellt für viele Besitzer ein hygienisches Problem dar. Mit Spülungen wird nur ein kurzzeitiger Erfolg erzielt, weshalb sich einige Besitzer für die Kastration entscheiden. Danach hört der Ausfluß innerhalb weniger Tage auf)
Medizinische Gründe:
§ Kryptorchismus (nicht abgestiegene Hoden à müssen frühzeitig entfernt werden da Tumorgefahr)
§ Prostataerkrankungen (Vergrößerung, Entzündung, Zysten…)
§ Hodentumoren oder sonstige Veränderungen
Die Vor- und Nachteile einer Kastration des Rüden sind individuell abzuwägen. Aus Verhaltensgründen wird der Kastrationswunsch meistens vom Tierbesitzer vorgetragen.
Kein Grund für eine Kastration sollte der gesteigerte Sexualtrieb sein, auch Hypersexualität genannt, welcher vorwiegend bei Zwerghunderassen vorkommt und sich durch den ständigen zwanghaften Drang zum Besteigen von Objekten zeigt. Rund ein Viertel der Rüden ist davon betroffen. Sobald die Hunde in die Pubertät kommen, besteigen sie mehrmals täglich Spielsachen, Kissen, Menschen und Artgenossen und machen typische Kopulationsbewegungen. Die Hypersexualität soll in erster Linie durch erzieherische Maßnahmen korrigiert werden, indem das Besteigen von Anfang an nicht toleriert wird.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Kastration?
Ab welchem Alter eine Kastration erfolgen sollte, muß im Einzelfall ermittelt werden. Geschlechtshormone werden im Wachstum und bei der Ausreifung von Körper und Psyche benötigt. Daher erscheint es sinnvoll (besonders beim Rüden), nicht in diesen Hormonhaushalt einzugreifen, bis die Tiere ausgereift (erwachsen) sind.
Die soziale Reife erreichen die Tiere mit etwa 1,5 Jahren. Die körperliche Ausreifung ist noch später abgeschlossen. Bei Hunden kleiner Rassen geht man von einem Alter von etwa 2 Jahren aus, bei großen von 3 Jahren und mehr. Dennoch sprechen auch viele Gründe, v.a. bei der Hündin, für eine Kastration zu einem früheren Zeitpunkt.
Hündin:
Seit den 60er Jahren ist bekannt, daß durch die Kastration vor der ersten Läufigkeit das Risiko für die Entstehung von Tumoren, ausgehend von den Milchdrüsen, auf unter 2 % gesenkt werden kann. Wartet man bis nach der ersten Läufigkeit, steigt die Wahrscheinlichkeit auf 8 Prozent. Von allen Hündinnen, die erst nach der zweiten Läufigkeit oder gar nicht kastriert werden, entwickelt jede vierte einen Mammatumor (25 %). Die Hälfte aller Mammatumore ist bösartig. (Nach neuesten Forschungsergebnissen ist neben dem Kastrationszeitpunkt auch das Körpergewicht der Hündin im ersten Lebensjahr von großer Bedeutung. Bei Übergewicht in diesem Lebensabschnitt steigt die Wahrscheinlichkeit, an Gesäugetumoren zu erkranken, erheblich.)
Als Argument gegen eine Frühkastration wird immer wieder angeführt, daß die Skelettentwicklung der Hündin vorzeitig gestoppt wird. Wissenschaftliche Untersuchungen widerlegen jedoch diese verbreitete Fehlmeinung und bestätigen, daß frühkastrierte Hündinnen genauso groß werden wie ihre nicht kastrierten Wurfgeschwister.
Auch die Vorstellung, daß frühkastrierte Hündinnen psychisch infantil bleiben, ist nicht korrekt. Zwar haben Hündinnen, die vor der ersten Läufigkeit kastriert wurden, einen ausgeprägteren Spieltrieb und sind unkomplizierter im Umgang mit Artgenossen. Von den meisten Hundebesitzern werden diese Eigenschaften jedoch positiv gewertet und sind durchaus erwünscht. Es wird auch beschrieben, daß einige Hunde bei dem Eingriff vor der Geschlechtsreife in der Ausprägung ihres korrekten Sozialverhaltens gestört sein können. Zur Diskussion stehen hier v.a. Trennungsängste und verändertes Angst- und Fluchtverhalten.
Auf die Lernfähigkeit wirkt sich die Frühkastration nicht negativ aus. Werden jedoch große Anforderungen an den Hund gestellt, wie z.B. bei der Ausbildung zum Schutz-, Katastrophen- oder Blindenführhund, so empfehlen die entsprechenden Hundeausbilder eine Kastration erst nach der ersten Läufigkeit vorzunehmen.
Das Auftreten von Harninkontinenz (Harnträufeln) soll bei erfolgter Frühkastration zwar seltener, jedoch bedeutend ausgeprägter und schwieriger zu behandeln sein. Hat die Hündin an einer juvenilen Vaginitis (Scheidenentzündung) gelitten, so kann diese Erkrankung in einen chronischen Zustand übergehen.
Hündinnen sollen nicht während einer Läufigkeit kastriert werden. Sie vor einer Kastration einmal tragen zu lassen, ist auch nicht von Vorteil. Ganz im Gegenteil; durch eine Trächtigkeit wird die Gesäugebildung erst recht angeregt, womit auch die Wahrscheinlichkeit für hormonbedingte Gesäugetumore steigt.
Rüden:
Bei Rüden scheint der Zeitpunkt der Operation weniger bedeutungsvoll zu sein als bei Hündinnen. Rüden werden oft erst als ausgewachsene Tiere kastriert, weil erst dann das als störend empfundene Sexualverhalten voll ausgeprägt ist und nun ausgeschaltet werden soll.
Allerdings gilt grundsätzlich, daß der Effekt der Kastration auf das Verhalten umso geringer ist, je später die Operation erfolgt. Das heißt, wird die Kastration wegen erhöhter Aggressivität eines Rüden in Erwägung gezogen, so darf mit der Operation nicht zu lange gewartet werden. Auf der anderen Seite zeigen Tiere, die sehr früh kastriert wurden (im Alter von unter 6 Monaten), aber auch Tiere, die bei der Kastration zwischen 6 und 12 Monaten alt waren, mit größerer Wahrscheinlichkeit ein erhöhtes Aggressionsverhalten gegenüber anderen Hunden beiderlei Geschlechts oder fallen durch verminderte Ausgeglichenheit auf. Daraus lässt sich folgern, daß man Rüden möglichst nicht vor der Vollendung des ersten Lebensjahres kastrieren sollte.
Im Allgemeinen wartet man mit der Kastration bis das Wachstum der Knochen abgeschlossen ist. Das ist, je nach Rasse und Größe des Hundes, im Alter von 8 bis 18 Monaten.
Welche Vorteile bzw. welche Nachteile KÖNNEN auftreten?
Vorteile bei der Hündin:
§ permanente Infertilität
§ vereinfachte Haltungsbedingugen (kein blutiger Läufigkeitsausfluß, keine aufdringlichen Rüden)
§ Risikoreduktion für das Auftreten von Gesäugekrebs
vorausgesetzt, Hündin wird vor der ersten, spätestens aber nach der ersten Läufigkeit kastriert; nach der zweiten Läufigkeit ist Risiko gleich groß wie bei intakten Hündinnen (= 26%)
§ Ausschalten von Scheinträchtigkeiten (bedingt durch die Hormonveränderungen nach der Läufigkeit)
§ Prävention vor Erkrankungen der Eierstöcke, Gebärmutter (v.a. Pyometra)
§ aktiveres Verhalten
§ geringere Aggressivität gegenüber anderen Hündinnen
§ positive Auswirkung auf die Psyche der Hündin / größere Ausgeglichenheit
Insbesondere ängstliche und nervöse Hunde werden ausgeglichener und selbstbewußter. Die kastrierte Hündin bleibt vom Verhalten her eher „kindlicher“, was sich in erhöhter Anhänglichkeit und Verspieltheit bis ins hohe Alter ausdrückt. In der Regel wird dies als sehr angenehm empfunden und ist auch von vielen Besitzern erwünscht.
Nachteile bei der Hündin:
§ Narkoserisiko
§ Harninkontinenz / Harnträufeln:
Wenige Hündinnen entwickeln eine Blasenschwäche, die sich meist (leider nicht immer) nach Behandlung bessert. Die Harninkontinenz, auch Harnträufeln genannt, ist eine der wichtigsten und unangenehmsten Folgeerscheinungen der Kastration bei der Hündin. Man versteht darunter den ungewollten, unkontrollierbaren Abgang von Urin, vor allem wenn die Hündin schläft. Meist tritt diese Komplikation erst nach Jahren auf. Durch die Entfernung der Eierstöcke kommt es zu einem Östrogenmangel. Östrogen ist u.a. für den Verschluß der Harnröhre nötig.
Hündinnen mit einem Körpergewicht von mehr als 20 kg sind mit 31 % relativ häufig davon betroffen. Bei Hündinnen, die leichter als 20 kg sind, tritt die Harninkontinenz nur bei knapp 10 % auf. Ein besonders hohes Risiko ist bei den Boxern, Dobermännern, Pinschern und Riesenschnauzern nachgewiesen. So werden z.B. 65 % aller kastrierten Boxerhündinnen inkontinent. Betroffene Hündinnen sprechen in der Regel gut auf Medikamente an, müssen jedoch zeitlebens behandelt werden
Es scheint so, daß die Inkontinenz nach Kastration vor der Pubertät seltener auftritt als nach Kastration nach der Pubertät. Allerdings tritt sie nach Frühkastration sehr viel heftiger auf als nach später erfolgtem Eingriff uns ist auch schwerer zu behandeln.
§ Veränderung des Haarkleides:
betroffen sind vor allem langhaarige Rassen, insbesondere mit rotem Fell (z.B. Spaniels, Irish Setter). Nach der Kastration kommt es zu einem übermäßigen Wachstum des Wollhaares. Sie entwickeln ein stumpfes „Babyfell“. Diese Fellveränderung lässt sich durch Behandlung mit Hormontabletten zwar verbessern, aber nicht vollständig beheben. Erfahrungen haben gezeigt, daß das Babyfell bei frühkastrierten Hündinnen weniger häufig beobachtet wird.
§ Selten kommt es zu einem hormonell bedingten Haarausfall in der Flankenregion (bei kurzhaarigen Rassen sehr gut sichtbar und störend)
§ gesteigerter Appetit / Fettleibigkeit:
Viele Hündinnen entwickeln nach der Kastration durch den Wegfall der Geschlechtshormone einen gesteigerten Appetit. Hormonell bedingt ist auch eine Veränderung der Futterverwertung. Wenn sie uneingeschränkt weitergefüttert werden, kommt es zu Fettleibigkeit und in der Folge zu einer reduzierten Bewegungsfreudigkeit. Durch kalorienreduzierte Fütterung und viel Bewegung ist dem allerdings sehr leicht entgegenzuwirken.
§ erhöhte Aggressivität gegen andere Hündinnen / Hunden:
Nachteilig auswirken kann sich die Kastration bei aggressiv dominanten Hündinnen, weil dieses Fehlverhalten nach der Operation unter Umständen noch verstärkt wird. Bei diesen Tieren sollte man vorher überlegen, ob eine Kastration anzuraten ist.
§ lethargisches Verhalten
§ Steigerung des Angstverhaltens
Bei frühkastrierten Hündinnen muß man außerdem mit einer Steigerung des Angstverhaltens rechnen. Diese kann sich in gesteigerter Trennungsangst oder verstärkten Fluchtverhalten äußern.
Vorteile beim Rüden:
§ Ausschaltung des unerwünschten Geschlechtstriebes (kein Streunen, Liebeskummer)
§ Markierverhalten im Haus hört auf
§ permanente Infertilität
§ abnehmendes Aggressionsverhalten gegenüber anderen Rüden
Meist ist aggressives Verhalten der Grund für die Kastration. In diesem Zusammenhang ist die Unterscheidung der verschiedenen Aggressionsarten wichtig, weil nicht alle durch die Kastration gleichermaßen beeinflusst werden. So hat z.B. die Kastration keinen Effekt auf die Aggressivität im Zusammenhang mit Futter oder aufgrund von Angst. Konflikte und Beißereien mit männlichen Artgenossen dagegen, lassen sich durch die Kastration mehr oder weniger vermeiden, wobei das Alter des Rüden zum Zeitpunkt der Operation von großer Bedeutung ist. Je älter der rüde bei der Kastration ist und je länger er sein Imponiergehabe bereits praktiziert hat, umso geringer ist der Kastrationserfolg.
§ Verschwinden von Vorhautentzündungen (Präputialkatarrh)
§ geringere Inzidenz von Erkrankungen der Prostata, des Perineums und des perianalen Bereiches
§ längere Lebenserwartung der kastrierten Rüden
§ ausgeglicheneres Verhalten
§ verbesserter Gehorsam
Nachteile beim Rüden:
§ Narkoserisiko / postoperative Komplikationen (Wundschwellung, Infekte)
§ gesteigerter Appetit / Gewichtszunahme:
Neigung zur Entwicklung einer Adipositas (Fettleibigkeit) bei unverändertem Fütterungsverhalten
§ Entwicklung eines phlegmatischen Charakters
§ Entwicklung einer Harninkontinenz / Harnträufeln
§ negative Auswirkung auf das Skelettwachstum
im Gegensatz zur Hündin dauert bei Kastration von Rüden vor Erreichen der Geschlechtsreife das Knochenwachstum länger, und der Rüde wird nur noch geringfügig größer.
§ Veränderung des Haarkleides: Die Fellqualität wird bei Langhaarrassen in gleicher Weise beeinträchtig wie bei Hündinnen, jedoch seltener
§ Unsicherheit im Umgang mit anderen Hunden
§ Besteigungsversuche durch andere Rüden
viele kastrierte und somit „geschlechtsneutrale“ Rüden werden von ihren Artgenossen intensiv beschnuppert und bestiegen. Dieses Dominanzgebaren wird von den kastrierten Hunden aber meistens nicht toleriert und sie nehmen bereits eine aggressive Abwehrhaltung ein, wenn sich ein interessierter rüde nähert.
Welche Alternative gibt es zur Kastration?
Hormonbehandlung:
Eine alternative Empfängnisverhütung zur Kastration ist die hormonelle
Läufigkeitsunterdrückung. Dabei handelt es sich um die Gabe von Hormoninjektionen mit
Progestagenen. Das sind synthetische Wirkstoffe, die den Effekt des natürlichen Hormons Progesteron nachahmen. Ovulationen werden ausgeschaltet. Diese Injektionen müssen alle 4 bis 6 Monate im Anöstrus (Eierstock ist nicht aktiv) verabreicht werden. Das bedeutet, daß die erste Hormonapplikation frühestens 3 Monate nach einer beobachteten und spätestens 1 Monat vor der nächsten zu erwartenden Läufigkeit vorgenommen werden kann. Auf Dauer kann diese Form der Behandlung allerdings das Risiko für eine Gebärmuttervereiterung (Pyometra), Mammatumoren (Brustkrebs) und Diabetes (Zuckerkrankheit) erheblich erhöhen. Daher wird empfohlen, die künstliche Ovarruhe auf maximal 2 Jahre zu begrenzen.
Kaum eine andere medizinische Maßnahme löst bei Tierbesitzern und Tierärzten so widersprüchliche und emotionale Reaktionen aus wie die Kastration des Hundes. Dieser Beitrag soll – nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen (medizinischer und verhaltenstherapeutischer Natur) – die Vorteile und Nachteile eines solchen Eingriffes gegenüberstellen.
Begriffsbestimmung:
Kastration: Bei einer Kastration werden die Keimdrüsen (Eierstock, Hoden) und eventuell auch die Gebärmutter operativ entfernt. Durch diesen Eingriff wird die Produktion von Geschlechtshormonen verhindert und damit das Sexualverhalten komplett unterbunden. Die Hündin ist zeitlebens sexuell ruhig gestellt. Die Läufigkeiten mit all ihren Unannehmlichkeiten wie Attraktivität für Rüden und blutiger Scheidenausfluß fallen damit weg.
Eine Kastration ist nicht mehr rückgängig zu machen (irreversibel).
Sterilisation: Im Gegensatz zur Kastration werden bei der Sterilisation die Keimdrüsen belassen und nur die Keimwege (Samenleiter, Eileiter) unterbunden. Damit wird die Möglichkeit der Fortpflanzung ausgeschaltet. Die Produktion von Geschlechtshormonen und damit auch das Sexualverhalten bleiben in vollem Umfang erhalten. Eine Sterilisation kann unter bestimmten Umständen rückgängig gemacht werden (reversibel).
In der Veterinärmedizin werden fast ausschließlich Kastrationen durchgeführt, da hierdurch auch das Fortpflanzungsverhalten positiv beeinflusst werden kann, und da bei der Sterilisation besonders bei der Hündin vermehrte Komplikationen auftreten.
Gesetzliche Grundlage:
Nach § 6 Tierschutzgesetz Abs. 1 Satz 1:
Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres.
§ 6 Tierschutzgesetz Abs. 1 Satz 2:
Das Verbot gilt nicht, ...
a) beim Vorliegen einer tierärztlichen Indikation im Einzelfall
hierzu zählen unter anderem: Schutz vor Brustkrebs bei jungen Hündinnen
Kryptorchismus bei Rüden
psychischer Streß und körperl. Belastung ehem. Zuchthündinnen
Auftreten von Scheinträchtigkeiten
Probleme an Gebärmutter bzw. Hoden oder Prostata
b) für die Entnahme von Gewebe für Transplantationen (tierexperimentelle Forschung)
c) bei jagdlich zu führenden Hunden im Einzelfall (Kupieren der Rute)
d) für das Unfruchtbarmachen (Kastration oder Sterilisation)
- zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung (hierzu zählen: Freigänger-Katzen
oder Hundegruppen, bei denen Rüden und Hündinnen gemeinsam gehalten werden)
- zur weiteren Nutzung oder Haltung (hierzu zählen unter anderem: männliche Pferde
(Unterdrückung des Hengstverhaltens), männliche Schweine (Verhinderung des
Ebergeruchs am Fleisch), Hunde (Unterbindung von Streunen, Markieren im Haus...))
- aufgrund behördlicher Anordnung (Qualzuchtproblematik)
Wie erfolgt die Operation bei der Hündin?
Die Operation erfolgt unter Vollnarkose. Bei der Hündin werden durch einen Bauchschnitt beide Eierstöcke und evtl. die Gebärmutter entfernt. Werden nur die Eierstöcke entfernt spricht man von der Ovarioektomie (OE), bei der Entfernung von Eierstöcken inklusive der gesamten Gebärmutter von der Ovariohysterektomie (OHE).
Wie erfolgt die Operation beim Rüden?
Die Operation erfolgt unter Vollnarkose. Unter der Kastration versteht man die operative Entfernung beider Hoden. Sie werden durch einen kleinen Hautschnitt vor dem Hodensack entfernt.
Die Entfernung der Hoden wird bei Rüden zur Ausschaltung des Reproduktionsvermögens, der Modifikation charakteristischer dominanter Verhaltensweisen oder aus medizinischen Gründen vorgenommen. Mit dem Eingriff werden die endokrinen Quellen der androgenen Hormone beseitigt, die Mediatoren von Krankheiten wie der benignen Prostatahypertrophie, Perinealhernie und perinealen Adenomen sein können. Bei Verlegungen der Urethra ist die Kastration zum Anlegen einer permanenten Urethostomie im Skrotalbereich indiziert.
Die Kastration des Rüden wird häufig als kleiner Routineeingriff betrachtet, dennoch sind die Komplikationsraten im postoperativen Verlauf sehr hoch und Gegenstand langer und kostenintensiver Nachbehandlungen. In den meisten Fällen treten die Wundheilungsstörungen in Form von Seromen und Abszessen im Cavum vaginale oder als entzündliche Schwellungen des Skrotums auf. Das Zurücklassen von Wundhöhlen nach Herausnehmen der Hoden widerspricht den Regeln der allgemeinen Chirurgie, jedoch ist es gängige Praxis.
Wichtig ist der Leinenzwang bis zur Entfernung der Fäden, da sich das OP-Gebiet zwischen den Hinterschenkeln befindet und damit bei jedem Schritt belastet wird. Eine gewisse Schwellung in diesem Bereich ist normal, durch zu viel Bewegung kann es aber zu erheblichen Schwellungen und Schmerzen kommen.
Welche Gründe gibt es für einen solchen Eingriff?
Hündin:
Aus Sicht des Hundebesitzers:
§ Verhinderung von Läufigkeit und unerwünschter Trächtigkeiten
§ Erleichterung der Haltung
Medizinische Gründe:
§ Veränderungen an Gebärmutter und Eierstöcken oder Tumoren in der Scheide
§ Zuckerkrankheit (Diabetes)
§ Vorfall der Scheidenschleimhaut
§ hochgradige Scheinträchtigkeiten
§ Gebärmutterentzündungen nach der Läufigkeit
§ Zyklusstörungen mit Hautveränderungen
§ bei zyklusabhängigen Gesäugetumoren
Rüde:
Aus Sicht des Hundebesitzers:
§ Verhinderung von unerwünschten geschlechtsgebundenen Verhaltensweisen
v übersteigertes Triebverhalten (Streunen, Leiden in Gegenwart läufiger Hündinnen)
v sexualhormonbedingte Aggressivität (bei allen anderen Formen von Aggressivität ist eine Kastration nicht erfolgreich!)
§ Wunsch nach Unfruchtbarmachung (meist wenn männliche und weibliche Tiere in einem Haushalt leben)
§ Präputialkatarrh (weißlich, schleimiger Ausfluß aus der Vorhaut bei intakten Rüden; völlig normales Phänomen. Es bestehen große individuelle Unterschiede hinsichtlich Menge der abgesonderten Flüssigkeit. Eine übermäßige Produktion stellt für viele Besitzer ein hygienisches Problem dar. Mit Spülungen wird nur ein kurzzeitiger Erfolg erzielt, weshalb sich einige Besitzer für die Kastration entscheiden. Danach hört der Ausfluß innerhalb weniger Tage auf)
Medizinische Gründe:
§ Kryptorchismus (nicht abgestiegene Hoden à müssen frühzeitig entfernt werden da Tumorgefahr)
§ Prostataerkrankungen (Vergrößerung, Entzündung, Zysten…)
§ Hodentumoren oder sonstige Veränderungen
Die Vor- und Nachteile einer Kastration des Rüden sind individuell abzuwägen. Aus Verhaltensgründen wird der Kastrationswunsch meistens vom Tierbesitzer vorgetragen.
Kein Grund für eine Kastration sollte der gesteigerte Sexualtrieb sein, auch Hypersexualität genannt, welcher vorwiegend bei Zwerghunderassen vorkommt und sich durch den ständigen zwanghaften Drang zum Besteigen von Objekten zeigt. Rund ein Viertel der Rüden ist davon betroffen. Sobald die Hunde in die Pubertät kommen, besteigen sie mehrmals täglich Spielsachen, Kissen, Menschen und Artgenossen und machen typische Kopulationsbewegungen. Die Hypersexualität soll in erster Linie durch erzieherische Maßnahmen korrigiert werden, indem das Besteigen von Anfang an nicht toleriert wird.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Kastration?
Ab welchem Alter eine Kastration erfolgen sollte, muß im Einzelfall ermittelt werden. Geschlechtshormone werden im Wachstum und bei der Ausreifung von Körper und Psyche benötigt. Daher erscheint es sinnvoll (besonders beim Rüden), nicht in diesen Hormonhaushalt einzugreifen, bis die Tiere ausgereift (erwachsen) sind.
Die soziale Reife erreichen die Tiere mit etwa 1,5 Jahren. Die körperliche Ausreifung ist noch später abgeschlossen. Bei Hunden kleiner Rassen geht man von einem Alter von etwa 2 Jahren aus, bei großen von 3 Jahren und mehr. Dennoch sprechen auch viele Gründe, v.a. bei der Hündin, für eine Kastration zu einem früheren Zeitpunkt.
Hündin:
Seit den 60er Jahren ist bekannt, daß durch die Kastration vor der ersten Läufigkeit das Risiko für die Entstehung von Tumoren, ausgehend von den Milchdrüsen, auf unter 2 % gesenkt werden kann. Wartet man bis nach der ersten Läufigkeit, steigt die Wahrscheinlichkeit auf 8 Prozent. Von allen Hündinnen, die erst nach der zweiten Läufigkeit oder gar nicht kastriert werden, entwickelt jede vierte einen Mammatumor (25 %). Die Hälfte aller Mammatumore ist bösartig. (Nach neuesten Forschungsergebnissen ist neben dem Kastrationszeitpunkt auch das Körpergewicht der Hündin im ersten Lebensjahr von großer Bedeutung. Bei Übergewicht in diesem Lebensabschnitt steigt die Wahrscheinlichkeit, an Gesäugetumoren zu erkranken, erheblich.)
Als Argument gegen eine Frühkastration wird immer wieder angeführt, daß die Skelettentwicklung der Hündin vorzeitig gestoppt wird. Wissenschaftliche Untersuchungen widerlegen jedoch diese verbreitete Fehlmeinung und bestätigen, daß frühkastrierte Hündinnen genauso groß werden wie ihre nicht kastrierten Wurfgeschwister.
Auch die Vorstellung, daß frühkastrierte Hündinnen psychisch infantil bleiben, ist nicht korrekt. Zwar haben Hündinnen, die vor der ersten Läufigkeit kastriert wurden, einen ausgeprägteren Spieltrieb und sind unkomplizierter im Umgang mit Artgenossen. Von den meisten Hundebesitzern werden diese Eigenschaften jedoch positiv gewertet und sind durchaus erwünscht. Es wird auch beschrieben, daß einige Hunde bei dem Eingriff vor der Geschlechtsreife in der Ausprägung ihres korrekten Sozialverhaltens gestört sein können. Zur Diskussion stehen hier v.a. Trennungsängste und verändertes Angst- und Fluchtverhalten.
Auf die Lernfähigkeit wirkt sich die Frühkastration nicht negativ aus. Werden jedoch große Anforderungen an den Hund gestellt, wie z.B. bei der Ausbildung zum Schutz-, Katastrophen- oder Blindenführhund, so empfehlen die entsprechenden Hundeausbilder eine Kastration erst nach der ersten Läufigkeit vorzunehmen.
Das Auftreten von Harninkontinenz (Harnträufeln) soll bei erfolgter Frühkastration zwar seltener, jedoch bedeutend ausgeprägter und schwieriger zu behandeln sein. Hat die Hündin an einer juvenilen Vaginitis (Scheidenentzündung) gelitten, so kann diese Erkrankung in einen chronischen Zustand übergehen.
Hündinnen sollen nicht während einer Läufigkeit kastriert werden. Sie vor einer Kastration einmal tragen zu lassen, ist auch nicht von Vorteil. Ganz im Gegenteil; durch eine Trächtigkeit wird die Gesäugebildung erst recht angeregt, womit auch die Wahrscheinlichkeit für hormonbedingte Gesäugetumore steigt.
Rüden:
Bei Rüden scheint der Zeitpunkt der Operation weniger bedeutungsvoll zu sein als bei Hündinnen. Rüden werden oft erst als ausgewachsene Tiere kastriert, weil erst dann das als störend empfundene Sexualverhalten voll ausgeprägt ist und nun ausgeschaltet werden soll.
Allerdings gilt grundsätzlich, daß der Effekt der Kastration auf das Verhalten umso geringer ist, je später die Operation erfolgt. Das heißt, wird die Kastration wegen erhöhter Aggressivität eines Rüden in Erwägung gezogen, so darf mit der Operation nicht zu lange gewartet werden. Auf der anderen Seite zeigen Tiere, die sehr früh kastriert wurden (im Alter von unter 6 Monaten), aber auch Tiere, die bei der Kastration zwischen 6 und 12 Monaten alt waren, mit größerer Wahrscheinlichkeit ein erhöhtes Aggressionsverhalten gegenüber anderen Hunden beiderlei Geschlechts oder fallen durch verminderte Ausgeglichenheit auf. Daraus lässt sich folgern, daß man Rüden möglichst nicht vor der Vollendung des ersten Lebensjahres kastrieren sollte.
Im Allgemeinen wartet man mit der Kastration bis das Wachstum der Knochen abgeschlossen ist. Das ist, je nach Rasse und Größe des Hundes, im Alter von 8 bis 18 Monaten.
Welche Vorteile bzw. welche Nachteile KÖNNEN auftreten?
Vorteile bei der Hündin:
§ permanente Infertilität
§ vereinfachte Haltungsbedingugen (kein blutiger Läufigkeitsausfluß, keine aufdringlichen Rüden)
§ Risikoreduktion für das Auftreten von Gesäugekrebs
vorausgesetzt, Hündin wird vor der ersten, spätestens aber nach der ersten Läufigkeit kastriert; nach der zweiten Läufigkeit ist Risiko gleich groß wie bei intakten Hündinnen (= 26%)
§ Ausschalten von Scheinträchtigkeiten (bedingt durch die Hormonveränderungen nach der Läufigkeit)
§ Prävention vor Erkrankungen der Eierstöcke, Gebärmutter (v.a. Pyometra)
§ aktiveres Verhalten
§ geringere Aggressivität gegenüber anderen Hündinnen
§ positive Auswirkung auf die Psyche der Hündin / größere Ausgeglichenheit
Insbesondere ängstliche und nervöse Hunde werden ausgeglichener und selbstbewußter. Die kastrierte Hündin bleibt vom Verhalten her eher „kindlicher“, was sich in erhöhter Anhänglichkeit und Verspieltheit bis ins hohe Alter ausdrückt. In der Regel wird dies als sehr angenehm empfunden und ist auch von vielen Besitzern erwünscht.
Nachteile bei der Hündin:
§ Narkoserisiko
§ Harninkontinenz / Harnträufeln:
Wenige Hündinnen entwickeln eine Blasenschwäche, die sich meist (leider nicht immer) nach Behandlung bessert. Die Harninkontinenz, auch Harnträufeln genannt, ist eine der wichtigsten und unangenehmsten Folgeerscheinungen der Kastration bei der Hündin. Man versteht darunter den ungewollten, unkontrollierbaren Abgang von Urin, vor allem wenn die Hündin schläft. Meist tritt diese Komplikation erst nach Jahren auf. Durch die Entfernung der Eierstöcke kommt es zu einem Östrogenmangel. Östrogen ist u.a. für den Verschluß der Harnröhre nötig.
Hündinnen mit einem Körpergewicht von mehr als 20 kg sind mit 31 % relativ häufig davon betroffen. Bei Hündinnen, die leichter als 20 kg sind, tritt die Harninkontinenz nur bei knapp 10 % auf. Ein besonders hohes Risiko ist bei den Boxern, Dobermännern, Pinschern und Riesenschnauzern nachgewiesen. So werden z.B. 65 % aller kastrierten Boxerhündinnen inkontinent. Betroffene Hündinnen sprechen in der Regel gut auf Medikamente an, müssen jedoch zeitlebens behandelt werden
Es scheint so, daß die Inkontinenz nach Kastration vor der Pubertät seltener auftritt als nach Kastration nach der Pubertät. Allerdings tritt sie nach Frühkastration sehr viel heftiger auf als nach später erfolgtem Eingriff uns ist auch schwerer zu behandeln.
§ Veränderung des Haarkleides:
betroffen sind vor allem langhaarige Rassen, insbesondere mit rotem Fell (z.B. Spaniels, Irish Setter). Nach der Kastration kommt es zu einem übermäßigen Wachstum des Wollhaares. Sie entwickeln ein stumpfes „Babyfell“. Diese Fellveränderung lässt sich durch Behandlung mit Hormontabletten zwar verbessern, aber nicht vollständig beheben. Erfahrungen haben gezeigt, daß das Babyfell bei frühkastrierten Hündinnen weniger häufig beobachtet wird.
§ Selten kommt es zu einem hormonell bedingten Haarausfall in der Flankenregion (bei kurzhaarigen Rassen sehr gut sichtbar und störend)
§ gesteigerter Appetit / Fettleibigkeit:
Viele Hündinnen entwickeln nach der Kastration durch den Wegfall der Geschlechtshormone einen gesteigerten Appetit. Hormonell bedingt ist auch eine Veränderung der Futterverwertung. Wenn sie uneingeschränkt weitergefüttert werden, kommt es zu Fettleibigkeit und in der Folge zu einer reduzierten Bewegungsfreudigkeit. Durch kalorienreduzierte Fütterung und viel Bewegung ist dem allerdings sehr leicht entgegenzuwirken.
§ erhöhte Aggressivität gegen andere Hündinnen / Hunden:
Nachteilig auswirken kann sich die Kastration bei aggressiv dominanten Hündinnen, weil dieses Fehlverhalten nach der Operation unter Umständen noch verstärkt wird. Bei diesen Tieren sollte man vorher überlegen, ob eine Kastration anzuraten ist.
§ lethargisches Verhalten
§ Steigerung des Angstverhaltens
Bei frühkastrierten Hündinnen muß man außerdem mit einer Steigerung des Angstverhaltens rechnen. Diese kann sich in gesteigerter Trennungsangst oder verstärkten Fluchtverhalten äußern.
Vorteile beim Rüden:
§ Ausschaltung des unerwünschten Geschlechtstriebes (kein Streunen, Liebeskummer)
§ Markierverhalten im Haus hört auf
§ permanente Infertilität
§ abnehmendes Aggressionsverhalten gegenüber anderen Rüden
Meist ist aggressives Verhalten der Grund für die Kastration. In diesem Zusammenhang ist die Unterscheidung der verschiedenen Aggressionsarten wichtig, weil nicht alle durch die Kastration gleichermaßen beeinflusst werden. So hat z.B. die Kastration keinen Effekt auf die Aggressivität im Zusammenhang mit Futter oder aufgrund von Angst. Konflikte und Beißereien mit männlichen Artgenossen dagegen, lassen sich durch die Kastration mehr oder weniger vermeiden, wobei das Alter des Rüden zum Zeitpunkt der Operation von großer Bedeutung ist. Je älter der rüde bei der Kastration ist und je länger er sein Imponiergehabe bereits praktiziert hat, umso geringer ist der Kastrationserfolg.
§ Verschwinden von Vorhautentzündungen (Präputialkatarrh)
§ geringere Inzidenz von Erkrankungen der Prostata, des Perineums und des perianalen Bereiches
§ längere Lebenserwartung der kastrierten Rüden
§ ausgeglicheneres Verhalten
§ verbesserter Gehorsam
Nachteile beim Rüden:
§ Narkoserisiko / postoperative Komplikationen (Wundschwellung, Infekte)
§ gesteigerter Appetit / Gewichtszunahme:
Neigung zur Entwicklung einer Adipositas (Fettleibigkeit) bei unverändertem Fütterungsverhalten
§ Entwicklung eines phlegmatischen Charakters
§ Entwicklung einer Harninkontinenz / Harnträufeln
§ negative Auswirkung auf das Skelettwachstum
im Gegensatz zur Hündin dauert bei Kastration von Rüden vor Erreichen der Geschlechtsreife das Knochenwachstum länger, und der Rüde wird nur noch geringfügig größer.
§ Veränderung des Haarkleides: Die Fellqualität wird bei Langhaarrassen in gleicher Weise beeinträchtig wie bei Hündinnen, jedoch seltener
§ Unsicherheit im Umgang mit anderen Hunden
§ Besteigungsversuche durch andere Rüden
viele kastrierte und somit „geschlechtsneutrale“ Rüden werden von ihren Artgenossen intensiv beschnuppert und bestiegen. Dieses Dominanzgebaren wird von den kastrierten Hunden aber meistens nicht toleriert und sie nehmen bereits eine aggressive Abwehrhaltung ein, wenn sich ein interessierter rüde nähert.
Welche Alternative gibt es zur Kastration?
Hormonbehandlung:
Eine alternative Empfängnisverhütung zur Kastration ist die hormonelle
Läufigkeitsunterdrückung. Dabei handelt es sich um die Gabe von Hormoninjektionen mit
Progestagenen. Das sind synthetische Wirkstoffe, die den Effekt des natürlichen Hormons Progesteron nachahmen. Ovulationen werden ausgeschaltet. Diese Injektionen müssen alle 4 bis 6 Monate im Anöstrus (Eierstock ist nicht aktiv) verabreicht werden. Das bedeutet, daß die erste Hormonapplikation frühestens 3 Monate nach einer beobachteten und spätestens 1 Monat vor der nächsten zu erwartenden Läufigkeit vorgenommen werden kann. Auf Dauer kann diese Form der Behandlung allerdings das Risiko für eine Gebärmuttervereiterung (Pyometra), Mammatumoren (Brustkrebs) und Diabetes (Zuckerkrankheit) erheblich erhöhen. Daher wird empfohlen, die künstliche Ovarruhe auf maximal 2 Jahre zu begrenzen.